Auf Deutsch

Ein sehr romantischer Urlaub mit meiner Cousine ist zu Ende. Es war ein echter Traum in Weiß. Geschaffen für Paare, die eine schöne ruhige Zeit in Zweisamkeit verbringen möchte.. So wie meine Cousine und ich. Scherz beiseite. Wir hatten ein wenig damit zu kämpfen, dass es so romantisch ist und wir ohne Männer da sind. 

Wir sind am Montag 16.02. um 1Uhr nachts angekommen. Völlig erledigt vom Anreisetag, aber glücklich endlich da zu sein und in so einer lauschigen Hütte untergekommen zu sein. Auf dem Tisch wartete auf uns ein kleiner Snack, der Wochenplan und ein Polarlichteralarm-Handy.




Zum Frühstück waren wir ausgehungert, daher pünktlich und die ersten. Wir konnten es kaum erwarten die Leute zu sehen, mit denen wir die Woche verbringen dürfen. Wir haben natürlich Leute in unserem Alter erwartet und auch gutaussehende ledige Männer, aber als nach und nach nur ältere Ehepaare auftauchten, waren wir etwas enttäuscht. Tja, diesmal also keine Urlaubsromanze. Obwohl, da kannten wir unseren Reiseführer noch nicht. Eine kleine Chance blieb also noch, aber auch sie verflog schnell, als er, Jarno, sich der Gruppe vorstellte. Ich bin innerlich vor Lachen umgefallen. Er hatte so eine witzige Aussprache. Er rollte das R schlimmer als ein Russe. Ansonsten war er aber ein sehr angenehmer Reisebegleiter mit gutem trockenen Humor. Sein Lieblingsspruch war "easy going". Wie sollte es auch mit Rentnern anders sein?!

Der erste Tag gestaltete sich nicht anders als "easy going". Wir spazierten 300m zur Rentierfarm. In dem kleinsten Museum der Welt hat Jarno uns erst etwas über Rentiere erzählt und die dazu passenden Fotos gezeigt. Am Besten ist uns im Gedächtnis hängengeblieben, wie man Rentiere kastriert. Man quetscht einfach ihre Eier zusammen. Die Einheimischen machen es mit den Zähnen, es gibt aber auch extra Zangen dafür. Das Foto sah dementsprechend leicht pervers aus.
Danach haben wir uns ein typisch finnisches Häuschen angeschaut und anschließend eine romantische Rentierschlittenfahrt bei herrlichem Sonnenscheinwetter gemacht. Da erblickten wir endlich einen gutaussehen Rentierfarmer und stiegen in den Schlitten hinter ihm ein. Leider war er bereits vergeben. Wir genossen trotzdem den Anblick (der Landschaft versteht sich).
Zwischen Mittagessen und Abendessen hatten wir jeden Tag Freizeit. An dem Tag nutzte ich sie für einen Spaziergang auf dem gefrorenen See. Dabei sind mir ein paar schöne Aufnahmen gelungen. Abends ging es dann in Schneeschuhen über den See auf Jagd nach den Polarlichern, allerdings eher erfolglos. Zum Schluss stapften wir durch Tiefschnee und ich als zweite in der Reihe hatte ein wenig schwer zu kämpfen, aber es lohnte sich, denn danach blickte ich in den Himmel und sah grüne Fäden über meinem Kopf.
Der Polarlichtalarm ging per SMS los und alle stürmten auf den See um den besten Blick zu erhaschen. Erst waren die Polarlichter etwas schüchtern, dann trauten sie sich schon mehr. Irgendwann lagen alle nur noch im Schnee, weil sie genau über unseren Köpfen schwirrten. Und ein "aaaa" und "ooo" ging über den See. Polarlichter sehen in Wirklichkeit viel blasser aus, aber umso schöner, da man jede einzelne Strähne in Bewegung sehen kann. Man stelle sich im Wind langsam wehendes Engelshaar vor. Ein echt himmlischer Anblick, der mir nun immer in Erinnerung bleiben wird. Besonders, dieser eine Moment, als ich rosa und grün über meinem Kopf in Form einer aufblühenden Blume gesehen habe. Gänsehaut pur.

Am nächsten Tag stand eine Snowmobilsafari auf dem Plan. Leicht aufgeregt ging es zum Nachbarort. Meine Cousine traute sich zuerst nicht und ließ mich an den Lenker. Ich bekam schnell daran Gefallen und wollte schneller fahren, aber die Höchstgeschwindigkeit die der Reiseführer zuließ war 40km/h, obwohl wir auf dem See theoretisch bis zu 80km/h fahren dürfen. Es gab einen kleinen Unfall. Ein Paar hinter uns hat die Kurve im Tiefschnee nicht richtig bekommen und ist umgefallen. Es ist Gottseidank nichts passiert. Nachmittags haben wir uns hingelegt und abends gab es leider keine guten Polarlichtervorhersagen, also sind wir in einen kitschigen Souvenirladen gefahren.


Der Mittwoch stand unter dem Zeichen des Skilanglaufs. Die Technik war schnell erklärt. Das Wenden auch ohne Probleme. So einfach wie gehen. Ich hatte aber das Gefühl, dass die Skier zu wenig gewachst wurden und ich deswegen nicht wirklich vorankam, trotzdem waren wir Mädels viel schneller und mussten ständig warten. Eine ältere Frau meinte zu mir:" So ist das, wenn man mit Rentnern in den Urlaub fährt." Ich dachte mir nur, dass wir es uns ja nicht ausgesucht haben.
Auf dem Rückweg ist eine Dame leider umgeknickt, hat sich unter Tränen mehrmals entschuldigt und musste mit dem Snowmobil abgeholt werden. Nach dem Mittag machten wir ein zweistündiges Schläfchen und abends ging es wieder auf Jagd auf Polarlichter, diesmal in einem Schlitten, gezogen von Snowmobilen. Eher unspektakulär bis wir einen kleinen Hügel nicht hochkamen und alle aussteigen mussten. Das Bewegen in den geliehenen Overalls ist gar nicht so einfach. Man fühlt sich beinahe hilflos, daher war das Ein- und Aussteigen aus dem Schlitten viele Lacher wert. Die Polarlichter zeigten sich diese Nacht nicht.




Donnerstag durften wir machen was wir wollten. Meine Cousine hat eine Erkältung erwischt und lag flach. Ich wollte wieder eine Runde Skilanglauf drehen und kam nach 4 Stunden und 20km völlig fertig wieder. Es war eine verrückte Idee. Die letzten 3km bin ich auf den falschen Weg geraten, hatte kaum Kraft, also zog ich die Skier aus und latschte auf dem See zurück zur Hütte. Der Muskelkater in den Oberschenkeln machte sich sofort bemerkbar und meine Schultern waren völlig verspannt. Ich sehnte mich nach einer Nackenmassage. Ich verschlang das Mittagessen und schlief bis zum Abendessen durch. In der Nacht haben wir eine Übernachtung im Iglu gebucht. Meine Cousine hielt es gerade mal eine halbe Stunde aus. Ich bis 6 Uhr morgens, aber ein Fan bin ich davon nicht geworden. Es war mir nicht warm genug und die kalte Luft durch die Nase zu atmen war schrecklich.


Den Freitag verbrachten wir im Haus und haben leider die Schneeschuhsafari quer durch den Nationalpark verpasst. Meine Cousine kurierte sich aus und ich konnte mich kaum bewegen. Wir schauten Filme und ein paar Folgen der Zeichentrickserie Mumins. Abends bin ich dann ohne meine Cousine auf Polarlichtjagd gegangen. Die Gruppe drehte in Rentierschlitten eine Runde auf dem See. Ich saß mit Sue in einem Schlitten, weil ihr Bob auch erkältet war. So quatschten wir die Stunde über dies und jenes. Zum Schluss bedankte ich mich für die romantische Fahrt unter dem herrlichen Sternenhimmel. Es wurde ein Lagerfeuer angezündet und wir bekamen heißen Saft mit leckeren Zimtstollen. Plötzlich gingen die Nokia-SMS-Töne los, Auroraalarm und alle blickten hoch. Da waren sie wieder. Mir wurde allmählich kalt und kurz bevor ich gehen wollte, wurde auf einmal der ganze Himmel grün. Wieder ein völlig anderer schöner Anblick. Dann musste ich aber wirklich rein, weil mir meine Füße schon ziemlich eingefroren sind. Kaum ins Bett reingeschlüpft, ging wieder der Polarlichtalarm an, mit der Nachricht, dass sie jetzt im Moment am intensivsten sind. Wir hatten aber keine Lust mehr raus in die Kälte zu gehen. Zum Glück konnten wir das Schauspiel aus dem Fenster aus beobachten.

Den letzten Tag wollten wir nochmal so richtig auskosten. Nach dem Frühstück ging es zu den Huskys. Jedes Paar bekam 6 Hunde im Gespann. Meine Cousine machte diesmal den Anfang. Ich saß entspannt und bereit um Fotos/Filme zu machen. Es machte echt viel Spaß und das Wetter spielte wieder mit tollem Sonnenschein mit, sodass der Schnee nur am Glitzern war. Auf dem Rückweg, als ich an der Reihe war, ist mal wieder dasselbe Paar umgekippt und in den Tiefschnee gefallen. In der letzten Kurve dann noch einmal. Da sich keiner was getan hat, war es der Lacher überhaupt. Ich bin einmal kurz im Schnee stecken geblieben, aber ich habe es alleine meistern können. Die Huskys stanken zwar bis zum Himmel, aber waren total süß. Wir hatten sehr starke Tiere, die gerne überholen wollten, aber nicht durften. Die meiste Zeit mussten wir sie bremsen. Immer wenn es bergauf ging, schauten sie nach hinten und flehten mit ihren Augen um Hilfe, also runter vom Schlitten und anschieben. Nach der Fahrt wurden sie von uns als Dank geknuddelt. Sie haben es richtig genossen. 
Danach durften wir ein paar Jungtiere auf den Arm nehmen. Ich bekam den größten und zappeligsten von allen, der mir zur Begrüßung erst einmal das komplette Gesicht abschleckte. Ich fand es ziemlich ekelig. Danach bekam ich ein ruhigeres kleineres Hündchen, das sich an mich kuschelte und fast eingeschlafen ist.
Nachmittags ging meine Cousine spazieren und ich probierte endlich mal die Sauna aus, aber irgendwas stank es mir da gewaltig nach Sauerkraut. Außerdem war es nicht heiß genug, sodass ich kaum ins Schwitzen kam. Die anderen Frauen verbrachten dort 45 Min, bevor sie sich dann im Schnee wälzten. Leider war das Eisloch im See zugefroren, sodass wir da nicht rein konnten. 
Beim letzten Abendessen ging es wieder los. Die britischen Frauen fragten uns: wie wir den Tag verbracht haben, ob wir die Huskyfahrt genossen haben, wie wir die Woche fanden, ob wir gut geschlafen haben, wie wir das Essen fanden und welche Aktivität uns am meisten gefallen hat. Jedes Mal kamen sie zu uns an, total überfreundlich, mit diesem britischen Englisch und fragten uns diese Dinge. Am Ende war es schon ein wenig nervig, aber wir haben natürlich immer nett und freundlich geantwortet. Als man sie dann gefragt hat, kam als Antwort immer „Lovely, wasn’t it?“. 

Und nun ist diese easy going Woche in Lappland zu Ende. Meine Cousine wäre gerne dort für immer geblieben, aber das sagt sie immer am Ende eines jeden Urlaubs. Mir hat die Woche völlig gereicht. Es hätte ruhig mehr Action sein können. Manchmal war es mir eben zu langsam und zu ruhig. Am besten haben mir die Snowmobilfahrt und die Polarlichter gefallen. Das Essen ging so. Nichts Außergewöhnliches. Es gab viel Fisch und Rentierfleisch. Immer Salat und Kartoffeln dazu und wechselnder Nachtisch. Das Personal war total freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Die Lage am See war echt perfekt. Die Häuschen aus Holz waren total gemütlich. Der Kamin im Restaurant war mein Hit. Die Landschaft war eher flach und es gab viel Wald. Den einzigen weiten Blick bekam man auf einem See. Wir hatten echt Glück mit dem Wetter. Am kältesten war es mit -10°C. Da habe ich schon kältere Tage in Polen erlebt.

Eins ist mir wieder klar geworden. Ich bin eher der Urlaubstyp, der lieber in wärmeren Gefilden unterwegs ist. Ich hasse es nämlich mich so dick ankleiden zu müssen und sich dann darin kaum bewegen zu können. Trotzdem träume ich noch davon mir Alaska und Kanada im Winter anzutun. Meine Cousine will dagegen den Nord- und Südpol sehen. 

Fortsetzung folgt…




… im Mai 2016 mit Ecuador und den Galapagos Inseln.

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